dialogische Entscheidungsfindung (dEf)
Dialogische Entscheidungsfindung bedeutet: Nicht übereinander entscheiden, sondern miteinander. Sie geht davon aus, dass tragfähige Entscheidungen dort entstehen, wo Menschen einander wirklich zuhören, unterschiedliche Sichtweisen ernst nehmen und nicht vorschnell wissen, was richtig ist. Gerade in Psychiatrie und Sozialer Arbeit ist das ein Perspektivwechsel: weg von einseitigen Expert:innenentscheidungen, hin zu gemeinsamer Klärung auf Augenhöhe.
Im Mittelpunkt stehen nicht Zustimmung und Durchsetzung, sondern Vorschläge, Einwände und Vereinbarungen. Ein Vorschlag wird gemeinsam betrachtet, Rückfragen werden geklärt, Einwände hörbar gemacht und so bearbeitet, dass daraus eine Lösung entstehen kann, die im Alltag trägt. Einwände gelten dabei nicht als Störung, sondern als wertvolle Hinweise darauf, was noch nicht passt, noch fehlt oder noch besser werden muss.
Dialogische Entscheidungsfindung braucht Haltung und Handwerk. Sie lebt von echtem Zuhören, transparenter Gesprächsführung und der Bereitschaft, Menschen als Expert:innen ihres eigenen Lebens ernst zu nehmen. Techniken wie aktives Zuhören, personenzentrierte Gesprächsführung oder Gewaltfreie Kommunikation können dabei helfen. Entscheidend ist aber die Grundüberzeugung: Gute Entscheidungen entstehen nicht über Köpfe hinweg, sondern im Dialog.
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Einführungskurs
Für wen: Fachkräfte in Sozialer Arbeit, Pädagogik, Pflege, Beratung — alle, die in ihrer Praxis mit Entscheidungen und Beteiligung zu tun haben.
Was der Kurs tut: In drei Modulen macht er sichtbar, warum Partizipation in der Praxis oft auf halbem Weg stehen bleibt — und zeigt einen Weg, Entscheidungen so zu treffen, dass Beteiligung real wird: dialogische Entscheidungsfindung (dEf), eine strukturierte Form aus Vorschlag, Einwand und Vereinbarung.
Was der Kurs nicht ist: Keine Anleitung für „netteres Beteiligen". Keine Technik für harmonische Gespräche. Keine einseitigen Vorgaben.
Umfang: 15 Lektionen in 3 Modulen. Dazu Live-Übungen, Arbeitsblätter und Vertiefungstexte.
Modul 1 — Auf Augenhöhe
Einstieg und Rahmen. Warum scheitert Partizipation in der Praxis so oft — und was hieße es, anders zu entscheiden?
1.1 Der Fall Leo. Eine Alltagsszene im Wohnheim, zweimal erzählt — einmal rot (Eskalation), einmal grün (Dialog). Dieselbe Situation, zwei völlig unterschiedliche Ausgänge.
1.2 Persönliche Perspektive und Schmerzpunkte. Warum dieser Kurs? Die eigenen Reibungspunkte im Berufsalltag als Ausgangspunkt.
1.3 dEf und Kursversprechen. Der dEf-Prozess in drei Schritten: Vorschlag → Einwand → Vereinbarung. Was dEf ist — und was nicht.
1.4 Was ist Partizipation — und was nicht? Partizipationsstufen, der Unterschied zwischen Beteiligungssprache und realem Einfluss.
1.5 Und wohin führt uns das? Die Leitfrage des Kurses: Nicht „Wie beteiligen wir mehr?", sondern „Wie entscheiden wir anders?"
Modul 2 — Dialogische Entscheidungsfindung (dEf)
Der Prozess im Detail. Wie wird aus einer Spannung eine tragfähige Vereinbarung?
2.1 Wie dEf konkret abläuft. Überblick über die Schritte und Rollen — vom Einbringen einer Spannung bis zur getragenen Vereinbarung.
2.2 Vorschlag. Ein Vorschlag ist keine Anweisung und keine Forderung, sondern ein bearbeitbarer Entwurf. Wie wird aus einer Spannung ein Vorschlag?
2.3 Einwand. Einwände sind das Herz von dEf — aber nicht jeder Widerspruch ist ein Einwand. Präferenz, Sorge, tragfähiger Einwand, Blockade.
2.4 Vereinbarung. Vereinbarung heißt nicht Konsens, sondern geklärtes Weitergehen. Ja und Nein als gleichwertige Vereinbarungen.
2.5 dEf als Handlungsform. Nicht Technik, sondern andere soziale Logik. Was verschiebt sich, wenn ich dEf ernst nehme?
Modul 3 — Arbeitsalltag
Vom Verfahren zur Haltung. Wie wird dEf im realen, oft unvollkommenen Alltag tragfähig?
3.1 Haltung, nicht Sondersetting. dEf beginnt nicht mit dem perfekten Meeting, sondern mit einer Haltung, die auch 30-Sekunden-Situationen trägt.
3.2 Wenn Alltag dagegen steht. Zeitdruck, Routine, Eskalation — wo dialogisches Handeln scheitern kann, und wie sich auch dort Spuren setzen lassen.
3.3 Regeln, Vereinbarungen und Konsequenzen. Regeln müssen nicht undialogisch sein. Wie werden sie begründet, transparent gemacht und verantwortet?
3.4 Mein erster Transfer. Eine konkrete kleine Selbstverpflichtung für die nächste Arbeitswoche: klein, konkret, überprüfbar.
3.5 Was bleibt. Die zentralen Einsichten des Kurses in wenigen persönlichen Sätzen verdichten — als Orientierung für die eigene Praxis.
Methodenmix
Der Kurs enthält zahlreiche Live-Übungen. Über den Kurs verteilt: Paar-Austausch, Satzergänzungen, Körper-Scan, Kartenabfrage, Standbild, Metaplan, Stilles Schreibgespräch, Forum-Theater, Quiz, Fishbowl, 1-2-4-All, Trio-Fallberatung, Reflexionsarbeit, Schlussverdichtung.
Was Teilnehmende mitnehmen
Eine Praxis. Kein Heilsversprechen. Eine Richtung: heute eine Spur bewusster handeln als gestern. Und ganz nebenbei eine wirkungsvolle Gesprächstechnik für die Arbeit mit Klient:innen, im Team und Zuhause.
Kursmoderation
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