Bezugsbetreuung

Sollen wir Klient*innen ihre Bezugsbetreuer*innen jetzt auch noch selbst auswählen lassen?

Die Auswahl einer Bezugsbetreuer*innen ist ein entscheidender Moment der Betreuungsarbeit, der sowohl die Selbstbestimmung der Klient*innen als auch die fachliche Expertise der Betreuenden berücksichtigen muss. Als Sozialarbeiter*in stehst Du vor der Herausforderung, diese beiden Aspekte in Einklang zu bringen. Es ist eine Gratwanderung, bei der es gilt, die Wünsche und Bedürfnisse der Klient*innen ernst zu nehmen und gleichzeitig die fachlichen Anforderungen nicht aus den Augen zu verlieren.

In diesem Text werden wir die verschiedenen Facetten dieses komplexen Themas beleuchten und anhand von konkreten Fallbeispielen untersuchen, wie ein ausgewogener Ansatz in der Praxis aussehen kann. Dabei werden wir sowohl die Vorteile des Mitspracherechts als auch die Bedeutung professioneller Einschätzung betrachten und Wege aufzeigen, wie beide Aspekte zu einer optimalen Betreuungssituation beitragen können.

Die Bedeutung der Selbstbestimmung

In der modernen Sozialarbeit spielt die Selbstbestimmung der Klient*innen eine zentrale Rolle. Es geht darum, Menschen als mündige Individuen zu betrachten, die in der Lage sind, informierte Entscheidungen zu treffen. Dies gilt auch für die Wahl der Bezugsbetreuer*in.

Vorteile des Mitspracherechts sind:

  • Stärkung des Selbstwertgefühls

  • Förderung der Motivation zur Mitarbeit

  • Verbesserung der therapeutischen Beziehung

Fallbeispiel 1: Marias Wunsch nach Verständnis

Maria, 35, suchte Hilfe wegen ihrer Alkoholabhängigkeit. Bei der Vorstellung des Teams fühlte sie sich sofort von Sarah, einer Betreuerin mit ähnlichem Hintergrund, verstanden. Maria äußerte den Wunsch, von Sarah betreut zu werden. Die Einrichtung berücksichtigte diesen Wunsch, was Marias Motivation, die Betreuung anzunehmen, deutlich steigerte.

Die Rolle der fachlichen Expertise

Gleichzeitig ist es wichtig, die fachliche Expertise des Behandlungsteams nicht außer Acht zu lassen. Eine qualifizierte Betreuung erfordert spezifische Kompetenzen und Erfahrungen.

Zu Aspekten der fachlichen Einschätzung zählen:

  • Passende Qualifikation für die individuellen Bedürfnisse

  • Berücksichtigung von Teamdynamiken

  • Ausgewogene Arbeitsbelastung der Betreuer*innen

Fallbeispiel 2: Toms komplexe Bedürfnisse

Tom, 28, kam mit einer Doppeldiagnose von Schizophrenie und Substanzmissbrauch in die Einrichtung. Er wünschte sich einen männlichen Betreuer, doch das Team erkannte, dass Toms Fall spezielle Expertise erforderte. Sie schlugen Lisa vor, eine erfahrene Betreuerin mit Spezialisierung auf Doppeldiagnosen. Nach einem Gespräch mit Lisa stimmte Tom der Betreuung zu, und die Zusammenarbeit erwies sich als sehr erfolgreich.

Ein ausgewogener Ansatz

Der Schlüssel liegt in einem ausgewogenen Ansatz, der sowohl die Wünsche der Klient*innen als auch die fachliche Einschätzung berücksichtigt. Dies entspricht dem Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung, das in sozialarbeiterischen Ansätzen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ein möglicher Ablauf in der Wahl der Bezugsbetreuer*innen könnte so aussehen:

  1. Vorstellung potenzieller Bezugsbetreuer*innen

  2. Gespräch mit Klient*in über Präferenzen und Bedenken

  3. Fachliche Einschätzung des Teams

  4. Gemeinsame Entscheidungsfindung

Fallbeispiel 3: Annas Weg zur richtigen Wahl

Anna, 42, suchte Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Depression. Sie hatte anfangs Schwierigkeiten, sich für einen Betreuerin zu entscheiden. Das Team schlug vor, dass Anna Probesitzungen mit zwei potenziellen Betreuer*innen durchführt. Nach den Gesprächen diskutierte Anna ihre Eindrücke mit dem Team. Gemeinsam entschieden sie sich für Michael, dessen ruhige Art Anna als besonders hilfreich empfand.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Es gibt natürlich auch Herausforderungen bei diesem Ansatz. Zum Beispiel könnte es zu Manipulationsversuchen oder häufigen Wechselwünschen kommen. Hier ist es wichtig, klare Regeln und Strukturen zu etablieren.

Mögliche Lösungen, die Manipulationsversuchen oder häufigen Wechselwünschen vorbeugen, sind:

  • Festlegung von Kriterien für Betreuerwechsel

  • Regelmäßige Evaluierung der Betreuungsbeziehung

  • Offene Kommunikation über Erwartungen und Grenzen

Fallbeispiel 4: Markus und die Grenzen der Wahlfreiheit

Markus, 19, mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, wechselte häufig seine Meinung über seine Betreuer*innen. Das Team erkannte, dass dies Teil seiner Symptomatik war. Sie entwickelten einen Plan mit klaren Regeln für Betreuerwechsel und führten regelmäßige Evaluierungsgespräche ein. Dies half Markus, Stabilität in der Betreuungsbeziehung zu finden und seine Impulse besser zu kontrollieren.

Ethische Überlegungen

Bei der Auswahl der Bezugsbetreuer*in spielen auch ethische Aspekte eine wichtige Rolle. Es gilt, die Autonomie der Klient*innen zu respektieren, gleichzeitig aber auch ihre Vulnerabilität zu berücksichtigen.

Wichtige ethische Prinzipien:

  • Respekt vor der Autonomie der Klient*innen

  • Fürsorge und Nicht-Schaden

  • Gerechtigkeit in der Ressourcenverteilung

Die Rolle des sozialen Umfelds

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, das soziale Umfeld der Klient*innen in den Auswahlprozess einzubeziehen. Dies entspricht einem ganzheitlichen Betreuungsansatz.

Fallbeispiel 5: Emils Familienunterstützung

Emil, 55, litt unter einer schweren Depression. Seine Familie spielte eine wichtige Rolle in seinem Leben. Das Team schlug vor, Emils Frau zu einem Gespräch einzuladen, um ihre Perspektive zu hören. Ihre Einsichten halfen dabei, die am besten geeignete Betreuerin für Emil zu finden, die auch gut mit der Familiendynamik umgehen konnte.

Fazit

Die Einbeziehung von Klient*innen in die Auswahl ihrer Bezugsbetreuer*in kann zu einer verbesserten Betreuungsqualität und höherer Zufriedenheit führen. Dabei ist es wichtig, einen ausgewogenen Ansatz zu wählen, der sowohl die Selbstbestimmung der Klient*innen als auch die fachliche Expertise des Teams berücksichtigt.

Letztendlich geht es darum, eine Betreuungsbeziehung zu schaffen, die von Vertrauen, Respekt und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Denn nur so kann eine erfolgreiche Zusammenarbeit entstehen, die den Klient*innen auf ihrem Weg der Genesung oder Entwicklung bestmöglich unterstützt.

Als Team ist es Eure Aufgabe, diesen Prozess sensibel und professionell zu begleiten. Indem Ihr die individuellen Bedürfnisse Eurer Klient*innen ernst nehmt und gleichzeitig Eure fachliche Expertise einbringt, könnt Ihr einen wertvollen Beitrag zu einer erfolgreichen Betreuung leisten.

konsent.berlin

Dieser Text wurde teilweise unter Verwendung von Perplexity AI erstellt, fachlich geprüft und überarbeitet.

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